Alles anders
dienstags 17:00 – das andere Theater (ab 10. Februar)
mittwochs 18:00 – das andere Parlament (ab sofort)
donnerstags 17:00 – das andere Theater (ab 03. Februar)
Mehrgenerationenhaus Mikado
Franz-Mehring-Straße 20
15230 Frankfurt (Oder)
NEUGIERIG? TEILNAHME KOSTENLOS
Veranstalter: Slubfurt e.V., www.slubfurt.net
Kontakt: Michael Kurzwelly, t: 0049 171 2668747, arttrans@arttrans.de
Am Morgen, an dem alles anders wurde, war nichts geschehen. Kein Knall, kein Abschied, kein göttliches Zeichen. Der Kaffee schmeckte wie immer, die Uhr ging vor, der Himmel tat so, als hätte er nichts damit zu tun. Und doch stand etwas quer im Raum, unsichtbar und unübersehbar zugleich, wie ein falsch gehängtes Bild im Museum der Gewohnheiten.
Alles anders beginnt selten mit Mut. Es beginnt mit einem leisen Riss. Mit der Erkenntnis, dass das Eigene fremd geworden ist. Die Stimme im Kopf spricht noch dieselbe Sprache, aber ihre Bedeutung hat sich verschoben. Wörter wie sicher, später und man muss verlieren ihr Gewicht, als wären sie aus Papier.
Die Straße führt noch immer geradeaus, doch die Füße zögern. Nicht aus Angst, sondern aus Neugier. Was, wenn links kein Abgrund ist, sondern ein Garten? Was, wenn rechts nicht das Ende wartet, sondern ein Anfang ohne Namen? Alles anders heißt nicht, dass alles besser wird. Es heißt nur, dass die Richtung verhandelbar ist.
Wir haben gelernt, Ordnung zu lieben. Linien, Pläne, saubere Ränder. Alles anders ist dagegen ein Fleck, der sich nicht auswaschen lässt. Er breitet sich aus in Gesprächen, die plötzlich ehrlich werden. In Spiegeln, die keine Ausreden mehr akzeptieren. In Nächten, die nicht schlafen wollen, weil sie noch etwas klären müssen.
Manchmal fühlt sich alles anders an wie Verrat. An Erwartungen, an Versionen von uns selbst, die so viel Mühe gekostet haben. Doch vielleicht ist es nur Treue zu etwas Tieferem, das lange gewartet hat. Ein stilles Einverständnis mit dem eigenen Werden.
Alles anders riecht nach Regen auf heißem Asphalt. Nach Umzugskartons und offenen Fenstern. Es klingt wie ein falscher Ton, der sich als neue Melodie entpuppt. Es stolpert, zweifelt, lacht zur falschen Zeit. Es ist unbequem, weil es keinen Stuhl anbietet, nur Bewegung.
Am Ende – falls es so etwas gibt – steht kein fertiges Bild. Nur ein Zustand. Ein offener Raum, in dem Fehler erlaubt sind und Fragen bleiben dürfen. Alles anders ist kein Ziel. Es ist ein Versprechen ohne Garantie, ein Schritt ohne Geländer.
Und vielleicht ist genau das der Punkt: Nicht zu wissen, was kommt, und trotzdem zu gehen. Nicht weil man sicher ist, sondern weil Stillstand sich plötzlich wie die größere Gefahr anfühlt. Alles anders ist dann kein Bruch mehr, sondern eine leise, entschlossene Zustimmung zum Leben, das nicht fragt, ob wir bereit sind.